Einsicht

Von den Stimmungsschwankungen eines Landschaftsfotografen

7. August 2023

Ich hatte aufgegeben. Schon längst aufgegeben, den Bildern hinterherzujagen, die nur im Kopf existierten. Plan B und C zu opfern, die zwar erfolgversprechender waren aber nicht DAS Bild hergaben, dem ich hinterherjagte. Die kleinen Dinge am Wegesrand blieben stehen, starr fixiert auf DAS eine Bild. Aber ich hoffte. Hoffnung auf etwas Unvorhergesehenes, das mir den Strich unter die Rechnung machte.

Heute war so ein Tag, der mich zu Verwegenheit trieb und zu einem neuen Abenteuer anstachelte. Eine Regenfront nach der anderen trieben die Ausläufer eines Sturms, der sich gerade in Skandinavien austobte, durchs Land. Insgeheim wünschte ich mir, dass die Sonne dazwischen genug Kraft aufbringen könne, um sich mit einem Lichtstrahl durch die Wolkendecke zu bohren.

Aber auch so boten die die nach jedem Schauer entstehenden mal hektisch, mal träge umherziehenden Nebelschwaden viele staunenswerte Augenblicke.

 

Zwischendurch versteckte ich mich auf der windabgewandten Seite der Felsen vor umherstiebenden Regentropfen unter meinem großen Wanderregenschirm, der sonst bei windstillem Wetter sehr gute Dienste leistet.

So ging das seit dem frühen Nachmittag hin und her. Ich tanzte mit den Nebelfetzen um die Schrammsteine, bekam viele phantastische Eindrücke, bis kurz vor Sonnenuntergang die nächste schwarze Wand mit prasselnden Regen heranzog. Ich versteckte mich in der Nähe der Schrammsteinaussicht mit klappernden Zähnen in einer Felsritze. Sprungbereit. Trotzdem es Anfang August war, waren nach den vielen Stunden wechselnden Wetters die letzten Kalorien im Wind verbrannt.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so biss ich die Zähne zusammen und stürmte im abflauenden Regen das Gipfelplateau. Leider gab es nichts, was ich nicht schon mehrmals am heutigen Tag gesehen habe. Was Stunden zuvor jedes Mal Begeisterung hervorrief, war nun eine Enttäuschung, denn jetzt sollte eigentlich ein pompöser Sonnenuntergang stattfinden und kein einziger Hoffnungsstrahl erleuchtete die Felsen.

Doch es war noch Licht am Horizont. Und es wurde immer mehr! Wie ein Tsunami rollte eine Lichtwalze heran. Zunächst sanft streichelnd an den hohen Tafelbergen, kräftiger werdend über die Baumwipfel hinweg, dann erwischte es die Nebelfetzen zwischen den Felsen, die in der Sonne förmlich verglühten. Was für ein Traum! Wie gebannt starrte ich auf die Szenerie.

Ich musste aufwachen. Trotz aller Routine wurde es hektisch. Es war abzusehen, dass die Sonne gleich wieder verschwinden wird und durch die Nebel veränderten sich die Eindrücke ständig. Zuerst ein paar Sicherheitsbilder ohne Stativ, dann das dicke Weitwinkel draufgeschnallt und mit verschiedenen Einstellungen gespielt. Für ein Panoramabild hat es schlussendlich auch noch gereicht.

Es waren nur ein paar Minuten, die ich als Sekunden empfand, aber die die Intensität des Augenblicks habe ich voll in mich aufgesogen.

 

Glücklich und zufrieden stieg ich in den dunklen, feuchten Wald hinab. Ich sinnierte über die Essenz des Fotografierens und des Draußen seins und kam zu dem Schluss: Aufgeben lohnt sich nicht aber Verbissenheit braucht ihre Grenzen.


Das könnte Sie auch interessieren